„Wir werden ein schlagkräftiges Team nach Peking schicken!“

Gipfeltreffen im Schatten der imposanten Gipfel von Saalbach und Hinterglemm. Rund um die Weltcup-Rennen am Zwölferkogel kam es zu einem intensiven Austausch zwischen dem Österreichischen Skiverband und dem Österreichischen Paralympischen Committee.

Thema waren natürlich die Winterspiele 2022 in Peking, aber nicht nur. Hermann Mayrhuber, seit vergangenem Sommer neuer Sportlicher Leiter für den Para-Sport im ÖSV und also Nachfolger von Michael Knaus, der viele Jahre erfolgreich als Referent fungiert hatte, blickt im Interview zurück auf eine rundum gelungene Woche, voraus auf die Paralympics und spricht erstmals über die Idee von Weltcup-Rennen in Kitzbühel.

Welche Bilanz ziehen Sie nach der Weltcup-Woche in Saalbach aus organisatorischer Sicht?

Hermann Mayrhuber: Grundsätzlich muss man sagen, dass es traumhaft war, an einem so traditionsreichen Ski-Ort, der schon viele große Alpin-Highlights veranstaltet hat, auch Para-Rennen durchführen zu dürfen. Ein großes Dankeschön an den Skiclub, die Bergbahnen und den Tourismusverband, die dafür gesorgt haben, dass sich alle super wohlgefühlt haben.

Und die sportliche Bilanz?

Mayrhuber: Mit gemischten Gefühlen. Markus Salcher hat gezeigt, dass er im Speed nach wie vor einer der Besten ist und auch in der Abfahrt das Zeug zum Sieger hat. Der große Wermutstropfen war die Verletzung von Vroni Aigner, die sich beide Kreuzbänder gerissen hat. Leider hat der Verletzungsteufel bei uns in dieser Saison schon einige Male zugeschlagen.

Veronika Aigner musste operiert werden, können Sie uns verraten, wie es ihr geht?

Mayrhuber: Wir haben zwei Tage nach der OP telefoniert, da hat sie schon wieder vollen Willen gezeigt und nach vorne geschaut. Auf die neue Saison, wo mit der WM und den Paralympics gleich zwei Top-Events am Programm stehen. Sie hat gesagt: Verletzungen gehören im Skisport leider dazu, aber zum Glück ist es jetzt passiert, weil so geht sich mit der Reha für nächsten Winter alles aus.

Ist es vorstellbar, dass es künftig wieder mehr Weltcup-Rennen in Österreich gibt?

Mayrhuber: Grundsätzlich kann man sagen: Die anderen Nationen waren von den Rennen am Zwölferkogel begeistert. Wir möchten jedenfalls in diese Richtung gehen, haben diesbezüglich auch schon einige sehr gute Gespräche geführt. Mit Kitzbühel und St. Anton, die ja auch tolle Rennen für die Nicht-Behinderten veranstalten, aber auch mit Ramsau, das durchaus auch für größere Aufgaben bereit wäre.

Gab es dazu auch schon Gespräche mit dem Internationalen Paralympischen Committee?

Mayrhuber: Ich habe diesen Job im vergangenen Juli übernommen und seither gab es natürlich schon viele Gespräche mit den IPC-Verantwortlichen. Wir haben deponiert, dass wir unser Know-how künftig gerne verstärkt einbringen möchten, auch in den Gremien. Und ich habe schon das Gefühl, dass man seitens IPC Österreich auch wieder gerne im Boot haben will. Wir haben vereinbart, dass wir uns nach dem Weltcup-Finale zusammensetzen.

Stimmt es, dass auch das Finale in Österreich stattfinden könnte?

Mayrhuber: Die Frage steht nach der Absage der Rennen in Russland im Raum, ja. Wir werden uns das in den nächsten Tagen anschauen, ob und was möglich ist. Zuvor wollen wir aber in Leogang, wo Europacup- und Weltcup-Rennen am Programm stehen, wieder gute Rennen austragen. Wir werden dort mit einem großen Team aus arrivierten und jungen Läuferinnen und Läufern an den Start gehen.

Danke für die Überleitung: Wie zufrieden sind Sie mit der Entwicklung des Para-Ski Team Austria?

Mayrhuber: Bei den Stehern und den Sehbehinderten gibt es nicht so ein Problem, da kommt immer wieder etwas nach. Aber beim Monoski haben wir derzeit leider ein großes Loch, das so schnell auch nicht geschlossen werden kann. Es tut sich zwar ein bisschen in den Landesverbänden, aber das geht nicht von heute auf morgen. Eines muss man wissen …

Nämlich?

Mayrhuber: Der Para-Skisport hat sich in den letzten Jahren brutal entwickelt, ist extrem professionell geworden. Unter 150 Schneetagen pro Jahr geht da gar nichts mehr. Dazu kommen die Kosten beim Material, da reden wir bei einem Monoski für den Rennlauf von 10.000 Euro aufwärts. Auf der anderen Seite: Die Rahmenbedingungen haben sich in den letzten Jahren stark verbessert, an dieser Stelle auch ein Dankeschön an Zoll, Bundesheer und Polizei.

In einem Jahr ist die Ski-WM 2022 in Lillehammer bereits Geschichte und die Paralympics in Peking stehen kurz bevor. Was trauen Sie den österreichischen Athletinnen und Athleten zu?

Mayrhuber: Wir hatten in Saalbach einen sehr guten Austausch mit dem Österreichischen Paralympischen Committee in Person von Generalsekretärin Petra Huber und Chef de Mission Julia Wenninger und waren uns einig: Wir werden ein schlagkräftiges Team nach Peking schicken, mit einigen Medaillenkandidatinnen und –kandidaten quer durch alle Sportarten und Klassen.

Können Sie schon sagen, ob Josef Lahner für die Paralympics ein Comeback feiern wird?

Mayrhuber: Momentan hat man ihn rausgenommen, weil er laut IPC zu wenig Behinderung hat. Es gibt mittlerweile ein Gutachten und ein ärztliches Attest, die das Gegenteil sagen. Beides ist derzeit vom IPC nicht anerkannt. Wir, also ÖPC und ÖSV, werden gemeinsam aber alles reinlegen, damit es eine neue Klassifizierung gibt.

Von Carina Edlinger hat man aus der Vorbereitung viel Gutes gehört. Wie ist Ihr Eindruck?

Mayrhuber: Das kann ich bestätigen. Ich höre auch viele positive Dinge, weiß, dass sie sehr gut trainiert hat, dass die Form stimmt und die Harmonie im Team sehr gut ist. Jetzt heißt es hoffen, dass die beiden Weltcups planmäßig stattfinden können. Und ich werde demnächst bei ihr vorbeischauen.

Und die Snowboarder?

Mayrhuber: Rene Eckhart hatte die Möglichkeit beim Europacup-Team der Nicht-Behinderten mit zu trainieren. Da werden wir nächste Woche beim einzigen Weltcup in dieser Saison sehen, wie sich das ausgewirkt hat.

Ein schönes Beispiel für Inklusion im Österreichischen Skiverband.

Mayrhuber: Da hat es in der Vergangenheit vielleicht immer wieder mal das eine oder andere Thema gegeben. Aber wir haben das gemeinsam mit unserem neuen Generalsekretär Christian Scherer aufgearbeitet und hier nicht nur einen sehr guten Stellenwert sondern vor allem auch volle Unterstützung.

Wir danken für das Gespräch!

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