Salzburger Power-Duo auf Medaillenjagd

Carina Edlinger hat sich im Vorfeld der Saison auf die Suche nach einem Guide begeben – und in Olympia-Teilnehmer Tobias Eberhard gefunden. Im Interview spricht der ehemalige Biathlet unter anderem über neue Herausforderungen als Begleitläufer, Ziele für die Zukunft und seine Begeisterung für die Paralympischen Spiele.

Tobias, seit Saisonbeginn bist du neuer Begleitläufer der Paralympics-Siegerin Carina Edlinger. Wie ist es dazu gekommen?

Tobias Eberhard: Das war eigentlich ganz spontan – Carina war wie in den Vorjahren noch ohne Guide unterwegs, dann ist der Anruf im Spätherbst gekommen. Ich habe mich zu der Zeit beruflich neu orientiert und fand das Angebot reizvoll. Nach den ersten Gesprächen mit allen Beteiligten war ich von den Zukunftsaussichten und den Vorstellungen des Teams überzeugt. Mit der ersten Weltcup-Station in Finnland bin ich sehr zufrieden und vor allem voller Tatendrang.

Ihr kommt beide aus Salzburg – gibt es da eine „Salzburger-Connection“?

Eberhard: Sowieso! Alleine die geografische Nähe kommt uns zugute. Carina wohnt in Stadtnähe und ich etwas außerhalb in Pinzgau – die eine Stunde Fahrtzeit nimmt man aber natürlich gerne in Kauf, um gemeinsam trainieren zu können. Zusätzlich verstehen wir uns einfach gut und haben denselben Schmäh. Ob das jetzt an der „Salzburger-Connection“ liegt kann ich nicht sagen, es ist aber sicherlich von Vorteil.

In deiner neuen Tätigkeit bist du mit neuen Herausforderungen konfrontiert. Was war besonders fordernd und wie stellst du dich auf diese neuen Aufgaben ein?

Eberhard: Ich bin ganz offen an die Sache herangegangen und kann sagen, dass ich von Carina so einiges lernen konnte. Sie hilft mir zu verstehen, wie unsere alltäglichen Abläufe aussehen und wie ich sie unterstützen kann. Ich komme auch aus dem Leistungssport und es ähnelt sich vieles. Wir sprechen vom selben Optimierungs-Gedanken. Im Endeffekt geht es darum, so effektiv wie möglich zu sein. Trotzdem ist für mich auch vieles neu und manches geht einfach nicht so leicht von der Hand – darauf lasse ich mich aber gerne ein. Für mich ist diese Erfahrung eine neue Sichtweise auf den Sport und eine Bereicherung an sich.

Welche Schwierigkeiten tauchen auf?

Eberhard: In erster Linie sind es Kleinigkeiten im Alltag über die man als Nicht-Behindertensportler:in nicht nachdenkt. Man sieht mit welchen Hindernissen Para-Athlet:innen konfrontiert sind – und mit welcher Bravour diese Hindernisse gemeistert werden. Sie bewältigen diese zusätzlichen Aufgaben scheinbar mühelos und das ist wirklich beeindruckend.

Wie wichtig ist die ständige Kommunikation zwischen Begleitläufer und Athletin in der Wettkampfsituation?

Eberhard: Es ist sehr wichtig, dass ich viel mit ihr rede. Dadurch gebe ich Carina die Möglichkeit, sich voll und ganz auf den Wettkampf zu konzentrieren. Je besser ich den Streckenzustand beschreibe, desto schneller kann sich Carina auf die Bedingungen einstellen und ihre Leistung abrufen.

Als Guide gibst du Carina Kommandos, um sie über die Strecke zu leiten – welche Besonderheiten gibt es bei euch?

Eberhard: Bei den Kommandos sind wir relativ flexibel und gestalten das von Bewerb zu Bewerb neu. Wir adaptieren je nach Loipenprofil, prägen uns die Runde aber immer gemeinsam ein und sprechen im Vorfeld über potenziell schwierige Stellen. Nach der Besichtigung sind wir dann gut eingespielt und es dreht sich alles nur noch um die Optimierung der Schrittlängen und Feinheiten in der Abstimmung.

Im Biathlon ist Carina beim Schießstand auf sich allein gestellt. Im Training gibt es aber sicher Tipps & Tricks, die du ihr mitgeben kannst – Wie sieht euer Schießtraining aus?

Eberhard: Natürlich beobachte ich sie bei den Schießeinheiten und gebe ihr Tipps bei dem, was ich von außen sehen kann. Wir erarbeiten uns das aber gemeinsam – dazu habe ich es selbst ausprobiert unter diesen Bedingungen zu schießen, um zu wissen wovon ich spreche. Es ist eine völlig andere Herangehensweise, denn Carina schießt über ihr Gehör. Ich bin überzeugt, dass wir einen guten Weg gefunden haben, um gemeinsam daran zu arbeiten. Vor allem bei der Schießgeschwindigkeit haben wir uns schon deutlich verbessert. Wir haben aber auch gesehen, dass das notwendig ist – denn die Konkurrenz ist bärenstark.

Carina sprach im Vorfeld der Saison davon, wieder an alte Leistungen anknüpfen zu wollen. Wie schätzt du ihre aktuelle Form ein?

Eberhard: Es ist ihr Körper, den sie am besten kennt. Beim Weltcup-Auftakt hat es aber schon ganz gut funktioniert – obwohl wir noch einiges an Reserven haben. Wir sind bisher sehr zufrieden! Ich glaube, dass wir uns im weiteren Saisonverlauf noch steigern können und werden sehen, was möglich ist. 

Als ehemaliger Biathlet bringst du viel Erfahrung mit, was gibst du Carina mit auf ihren Weg?

Eberhard: Ich versuche ihr immer Feedback zu geben. Wir sprechen über Dinge die gut funktioniert haben, und solche wo es noch Verbesserungspotenzial gibt. Grundsätzlich ist Carina aber so professionell und in ihrem Umfeld gut beraten. Wir tüfteln an den Kleinigkeiten.

Eure Partnerschaft scheint bisher gut zu funktionieren – sogar ein Sieg war beim Weltcup-Auftakt in Vuokatti (FIN) schon drinnen. Wo soll die Reise für euch beide hingehen?

Eberhard: Wir haben im Vorfeld der Saison unsere Ziele definiert. Das bedeutet, dass wir bei Großereignissen erfolgreich sein wollen. Ein langfristiges Ziel sind die Paralympischen Spiele 2026 in Mailand und Cortina d´Ampezzo – wir sind gespannt, wie es ausgehen wird und freuen uns auf unsere gemeinsame Zeit bis dahin.

Diese Saison steht auch die Weltmeisterschaft im schwedischen Östersund an, was nehmt ihr euch da vor?

Eberhard: Wir nehmen uns so einiges vor. Carinas Herzensangelegenheit ist der Sprint, wo wir auf eine Topplatzierung hoffen. Mein Fokus liegt auf den Biathlonbewerben. Grundsätzlich kann man aber sagen, dass Podiumsplätze und somit Medaillen das Ziel sind – das sprechen wir auch offen aus.

Welche Bedeutung haben die Paralympischen Spiele für dich als zweifachen Olympiateilnehmer?

Eberhard: Für mich ist das eine riesige Chance. Ich war bei zwei Olympischen Spielen dabei – für mich haben die Paralympischen Spiele den gleichen Stellenwert. Ich freue mich darauf, den österreichischen Para-Sport dort zu vertreten!

 

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