Ernhofer: „Egal, was die anderen sagen“

Andreas Ernhofer hat bereits einiges erlebt – und noch einiges vor. Nachdem er sich in Tokio den Traum einer Paralympics-Teilnahme erfüllt hat, soll in Paris oder Los Angeles eine Medaille her.

Zuvor steht beim Para-Schwimmer aus Niederösterreich aber noch einiges an, auch beim Talent Day in der Südstadt wird er dabei sein und den Kindern und Jugendlichen Tipps geben.

Wir haben Andreas Ernhofer zum Interview getroffen und mit ihm über Ziele, Herausforderungen, Motivation und vieles mehr gesprochen.

Andreas, du kommst gerade von den Staatsmeisterschaften, bei denen du vierfacher Staatsmeister und Vizestaatsmeister wurdest. Wie würdest du deine Gefühlslage nach diesem Wochenende beschreiben?

Ernhofer: Auf jeden Fall sehr positiv. Ich bin mit meinen geschwommenen Zeiten sehr zufrieden, kann mich daher also wirklich nicht beklagen. Es ist immer toll zu gewinnen, mir geht es aber immer um den Wettkampf mit mir selbst. Bei diesem Wettkampf konnte ich einige österreichische Rekorde erreichen – bin also so schnell geschwommen wie noch nie. Das ist ein voller Erfolg für mich. Außerdem war es ein guter Test für die Weltmeisterschaft.

In deiner Paradedisziplin Brust über 50 Meter bist du im Hinblick auf die Weltmeisterschaft nicht an den Start gegangen. Wieso? Und was sind deine Ziele für die WM?

Ernhofer: Das war eine Maßnahme, um sämtliche Motivation und Energie für den Wettkampf bei der Weltmeisterschaft aufzusparen. Mein Minimalziel dort ist der Einzug ins Finale, was in meinen Augen auch realistisch ist. Das Teilnehmerfeld ist fast das Gleiche wie bei den Paralympics letztes Jahr und ich weiß, wo ich stehe. Das Finale ist mir deshalb so wichtig, weil dort die Stimmung immer unglaublich gut ist, und ich einen regelrechten Adrenalinkick verspüre. Im Finale kann außerdem immer alles passieren – im besten Fall nehme ich ein Mitbringsel in Form einer Medaille mit nach Hause.

Du hast gerade die Paralympics in Tokio angesprochen. Dort hast du österreichische Rekorde in den Disziplinen 100 Meter Freistil und 50 Meter Rücken markiert, sehen wir dich 2024 in Paris wieder bei Paralympischen Spielen?

Ernhofer: Ja, definitiv. Im Sport kann zwar immer viel passieren und Karrieren können jederzeit abrupt zu Ende gehen, davon will ich jetzt aber nicht ausgehen. Für mich ist Paris eines der Hauptziele, und ich denke, dass ich auch dort Medaillenkandidat sein kann. Ich bin der vollen Überzeugung, dass es möglich ist, und werde alles geben, um mein Ziel zu erreichen. Auch für Los Angeles im Jahr 2028 bin ich schon heiß und kann dort hoffentlich eine Medaille verteidigen, oder wenn es in Paris nicht sein soll, dort eine gewinnen!

Wie bereitest du dich auf ein solches Großevent vor?

Ernhofer: Es ist natürlich immer eine langfristige Planung, das kann man ja nicht mit beispielsweise Fußball vergleichen. Für uns Schwimmer sind die Großveranstaltungen immer ein unglaublich wichtiges Event, dass auch Auswirkungen auf das Training während der Saison hat. Wir arbeiten mit einem Vierjahresplan, der alles von Trainingslager bis Wettkämpfe während der Saison umfasst. Grundsätzlich kann ich sagen, dass das Training aus drei Komponenten besteht. Schwimmtraining, Krafttraining und Mentaltraining. Letzteres ist meiner Meinung nach besonders wichtig, denn auch die richtige Technik und die stärksten Muskeln helfen nichts, wenn man das am Wettkampftag nicht umsetzen kann.

Wie kann man sich dein Mentaltraining vorstellen?

Ernhofer: Es gibt verschiedene Techniken, im Vordergrund steht aber immer der perfekte Wettkampftag. Dafür habe ich einerseits eine Art Drehbuch, an das ich mich strikt halte. So kann ich sicherstellen, dass sich der Körper auf die Wettkampfsituation einstellen kann. Andererseits habe ich einige mentale Techniken in meinen imaginären Werkzeugkoffer. Dort ist für jede Situation, die auftreten könnte, ein Werkzeug, um das Problem zu beheben.

Wir machen einen kleinen Themensprung. Wie würdest du die Wichtigkeit der sportlichen Betätigung, ganz gleich ob bei Menschen mit oder ohne Behinderung, einschätzen?

Ernhofer: In meinen Augen ist das extrem wichtig! Es geht nicht darum, dass jeder dreimal pro Tag trainiert und dann Profisportler wird, sondern darum, dass man Sport als fixes Programm einmal die Woche, oder zumindest einmal pro Monat begreift und nicht nur wenn einem gerade langweilig ist. Für Menschen mit Behinderung ist es vielleicht sogar noch wichtiger. Ich kann behaupten, dass mir das Training nach meinem Unfall besonders gutgetan hat. Der psychische Aspekt ist ebenfalls nicht zu verachten, da ich durch den Sport etliche Menschen kennengelernt habe, mit denen man sich über Probleme austauschen kann und man das Gefühl hat, dass die eigenen Probleme nachvollzogen werden können. Diese Zugehörigkeit ist ein enorm großer Faktor, da man so erkennt, dass man ganz normal ist, und die Behinderung in den Hintergrund rückt.

Am 27. Juni steht der Talent Day an, freust du dich bereits?

Ernhofer: Es ist eine großartige Möglichkeit, gerade für junge Menschen mit Behinderung, die sich aufgrund eines niedrigeren Selbstwertgefühls oder ähnlichem nicht trauen auf Sportvereine zuzugehen. Hier kann man das ganz ohne Druck ausprobieren und vor allem werden die Berührungsängste mit dem Sport genommen. Ein Nebenprodukt ist auch, dass die Jugendlichen dort mit professionellen Sportler/innen in Kontakt kommen, und so hoffentlich inspiriert werden, selbst Sport zu betreiben.

Wenn du Jugendlichen mit Behinderung einen Tipp in Bezug auf Sport oder insbesondere auf das Schwimmen geben könntest, welcher wäre das?

Ernhofer: Das Wichtigste im Leben ist Motivation, verliert nie das Ziel vor Augen! Wenn man ein Ziel hat, sollte man alles versuchen dieses zu erreichen, ganz egal was die anderen sagen. In Zeiten, wo dies schwerfällt, reflektiert man am besten was man bisher geschafft hat und schnappt diese positiven Emotionen erneut auf. Dann kann man wieder Vollgas in Richtung Zukunft geben!

Der ÖPC-Talent Day findet dieses Jahr am 27. Juni von 9 bis 17 Uhr im BSFZ Südstadt statt. Anmeldungen und Informationen unter talentday@oepc.at bzw. auf www.oepc.at.

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