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Inklusion als globale Vorgabe

Geht es nach dem Internationalen Paralympischen Committee/IPC, sind alle seine Sportdisziplinen spätestens bis 2030 in ihre jeweiligen Fachverbände inkludiert. Am Österreichischen Paralympischen Committee soll und wird dieser Plan nicht scheitern – vieles wurde bereits erreicht, manches ist noch zu tun.

Anlässlich des 30. Geburtstages des im September 1989 im deutschen Düsseldorf gegründeten IPC wurde nicht ohne Stolz, aber eher nur kompakt auf das bis dahin Erreichte zurückgeblickt. Deutlich stärker legten der 2017 ins Amt gewählte Präsident Andrew Parsons und sein Führungsteam ihren Fokus auf eine möglichst erfolgreiche Zukunft der heute mehr als 200 Mitgliedsorganisationen – darunter natürlich auch das 1998 ins Leben gerufene ÖPC – zählenden Organisation. Sein kraftvolles Mission Statement: „Wir haben eine Menge geschafft, wahrscheinlich mehr, als viele 1989 hätten erahnen können, aber wir kratzen nach meiner Meinung noch immer an der Oberfläche dessen, was wir tatsächlich erreichen können. Jetzt geht es darum, das Potenzial der paralympischen Bewegung freizusetzen und zu maximieren!“

Letztendlich will man der hehren Vision von der Schaffung einer inklusiveren Welt und der Bereicherung des ­Lebens von einer Milliarde Menschen mit Behinderung durch den Parasport mit einer Reihe von Reformen und ­Optimierungen einen großen Schritt näherkommen. Dafür sollen etwa der interne Wissensaustausch verbessert, die ­globale Implementierung des Athletenklassifizierungscodes erreicht oder aber auch die Förderung der Geschlechterparität in Führungspositionen in der paralympischen Bewegung genauso vorangetrieben werden wie die globale Effi­zienz der AthletInnen-Vertretung. In letzterer wird Österreich übrigens von Handbike-Legende Walter Ablinger eine bereits sehr starke Stimme verliehen.

Aber ganz oben am Masterplan steht die verpflichtende internationale und nationale Inklusion des Behindertensports in die jeweiligen Fachverbände. Paralympische Sommersportarten sollen bis 2028 und die winterlichen Disziplinen bis 2030 unterm selben Dach beheimatet sein wie die entsprechenden Spielarten für SportlerInnen ohne Handicap.

Vorgaben, die selbstverständlich auch für das Öster­reichische Paralympische Committee gelten. Dort kann man mit diesem Einläuten allerdings gut leben und wird den bereits vor Jahren angegangenen Inklusionsprozess mit viel Energie weiterbetreiben. 15 paralympische Disziplinen sind bereits in die sportartspezifischen Fachverbände inkludiert (Liste siehe Kasten), die restlichen sollen innerhalb des IPC-Zeitplanes folgen. Für Generalsekretärin Petra Huber ist dies allerdings weniger eine Bringschuld gegenüber dem IPC als vielmehr eine Verpflichtung gegenüber den heimischen AthletInnen mit starker gesellschaftspolitischer Wirkung.

„Selbstverständlich sind die Inklusion und die Gleichstellung, die ja etwa in Bereichen der Bundessportförderung der Sporthilfe oder auch beim Bundesheer oder beim Zoll bereits erreicht werden konnten, stärkende Signale für alle unsere Sportlerinnen und Sportler. Von anderen Anpassungen, beispielsweise in Sachen Barrierefreiheit von Sportstätten, ­haben alle etwas“, so Petra Huber, die zudem die Notwendigkeit ­gleicher Trainings­möglichkeiten für BehindertensportlerInnen unterstreicht. Und dies nicht nur aus pragmatischen sport­lichen Gründen, sondern „weil Trainings Seite an Seite auf ganz natürlich Weise zu einer Sensibilisierung für die Bedürfnisse des Gegenübers führen“.

Realität ist die Inklusion zum Beispiel bereits für Carina Edlinger, Paralympics-Medaillengewinnerin und -Weltmeisterin im Langlauf. Sie ist genauso in den Österreichischen Skiverband inkludiert wie einst schon der im Vorjahr zurückgetretene Skistar Claudia Lösch oder auch Markus Salcher, der aktuelle Gesamtweltcupsieger im Super-G und Doppel-­Paralympionike. Der Kärntner vertrat Österreich vergan­genen Dezember beim IPC Athlete’s Council in Colorado Springs (USA) und machte sich dort unter anderem für die Inklusion seines Sports in den internationalen Skiverband FIS stark.mIn Österreich, beim ÖSV, ist diese bereits seit ­vielen Jahren Realität.

Ein wichtiger Botschafter für die Sache ist speziell auf nationaler Ebene Para-Schwimmer Andreas Onea, der 2016 in Rio Bronze erobern konnte. Mit bärenstarken Leistungen bei Landes- oder Staatsmeisterschaften der Nichtbehinderten macht er als Mitglied der Schwimm-Union Wien immer wieder eindrucksvoll Werbung für die Inklusion in den Österreichischen Schwimmverband. Noch müssen dafür aber ­einige Hürden organisatorischer und finanzieller Natur überwunden werden. Ähnlich übrigens wie in der Leichtathletik. Aber auch dort ist man sich in den letzten Jahren immer näher gekommen, auch und speziell auf der Tartanbahn. So arbeitet etwa Speerwerferin Natalija Eder mit ÖLV-Trainerin Elisabeth Eberl zusammen. Diskus-Ass Bil Marinkovic, ebenfalls mit Sehbehinderung, wiederum vertraut auf die Tipps von Leichtathletik-Verbandscoach Gerhard Mayer und übte zuletzt nicht selten Seite an Seite mit Österreichs Ausnahmewerfer Lukas Weißhaidinger.

Mögen auch dies Zeichen dafür sein, dass in Bälde österreichweit, aber eben auch international flächendeckend alles zusammenkommt, was zusammengehört. Da wie dort nicht lockerlassen will jedenfalls Petra Huber – als ÖPC-Generalsekretärin und als Vorstandsmitglied im Europäischen Paralympischen Committee: „Unsere Spitzensportlerinnen und Spitzensportler sind echte Vorbilder in Sachen Eigenständigkeit und Selbstbestimmtheit, aber auch dafür, wie bereichernd der Sport sein kann. Und das speziell für junge Menschen mit, aber auch ohne Behinderung!“

Die Inklusion der paralympischen Sportarten in Österreich

Bereits inkludiert
SPORTART* FACHVERBAND – LETZTE ÖSTERR.
TEILNAHME
Badminton ÖBV – NEU für Tokyo 2020
Taekwondo ÖTDV – NEU für Tokyo 2020
Biathlon ÖSV – PyeongChang 2018
Langlauf ÖSV – PyeongChang 2018
Ski alpin ÖSV – PyeongChang 2018
Snowboard ÖSV – PyeongChang 2018
Kanu OKV – Rio 2016
Pferdesport OEPS – Rio 2016
Radsport ÖRV – Rio 2016
Rudern ÖRV – Rio 2016
Tennis ÖTV – Rio 2016
Tischtennis ÖTTV – Rio 2016
Bogensport ÖBSV – Sydney 2000
Eishockey OEHV – keine Qualifikation
Triathlon ÖTRV – keine Qualifikation

Nicht inkludiert
SPORTART** VERBAND – LETZTE ÖSTERR.
TEILNAHME
Leichtathletik ÖBSV – Rio 2016
Schwimmen ÖBSV – Rio 2016
Fechten ÖBSV – London 2012
Schießen ÖBSV – London 2012
Boccia ÖBSV – Athen 2004
Gewichtheben ÖBSV – Sydney 2000
Judo ÖBSV – Sydney 2000
Goalball ÖBSV – Arnheim 1980
Basketball ÖBSV – Tel Aviv 1968
Fußball 5-a-side ÖBSV – keine Qualifikation
Rugby ÖBSV – keine Qualifikation
Volleyball ÖBSV – keine Qualifikation

* bereits inkludiert in nationale Fachverbände
** nicht in nationale Fachverbände inkludiert, sondern im ÖBSV

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