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Flax: „Ich gehe für Tokyo All-In“

Thomas Flax hat einen Traum. Und diesem ordnet er alles unter. „Ich will nach Tokyo zu den Paralympics. Das habe ich mir in den Kopf gesetzt, ich gehe All-In“, so der Rollstuhl-Tennisspieler aus Vorarlberg.

Im Interview spricht er über das herausfordernde Jahr, den starken Teamgeist, wagt einen Ausblick und erzählt, wie er zum Universitätslehrgang Sportjournalismus in Salzburg kam.

Die Saison 2020 ist aufgrund diverser Umstände keine leichte, wie geht es dir sportlich?

Thomas Flax: Das Jahr war sportlich nicht so schlecht. Die Coronapause konnte ich gut nutzen, um mich gesundheitlich zu erholen und in Sachen Training durchzustarten. Ich konnte im Sommer so viel trainieren wie nie zuvor, das war kein Nachteil. Seit September laufen wieder internationale Turniere – im Einzel haben nicht die gewünschten Ergebnisse herausgeschaut, im Doppel habe ich aber gezeigt, dass der Grundstock für internationale Turniere reichen kann.

Wie sieht es auf der „Road to Tokyo“ für dich aus?

Flax: In der Weltrangliste brauche ich einen Platz unter den Top-40, um fix in Tokyo dabei zu sein. Aktuell bin ich auf Position 46, also ganz knapp dran. Ab Mitte März geht es mit Turnieren weiter, fünf bis sechs Plätze kann man mit guten Ergebnissen durchaus gutmachen. Daran glaube ich und dafür arbeite ich. Es gibt auch noch einen „Plan B“, nämlich mit einem guten Doppe-Ranking eine Wildcard für das Einzel zu erhalten. Wir haben mit Martin Legner, Nico Langmann und Josef Riegler drei Spieler, die sich über die Weltrangliste qualifizieren könnten. Vielleicht erhalte ich vom IPC dann eine Einladung, um zwei Doppel für Österreich zu ermöglichen. Der Fokus liegt aber darauf, es aus eigener Kraft zu schaffen. Alleine in der engeren Auswahl zu sein ist schon großartig. Ich bin zuversichtlich.

Du hast das starke rot-weiß-rote Team angesprochen. Gibt es viel Austausch?

Flax: Wir sind fast wie eine Familie, pflegen auch außerhalb des Tennisplatzes den Kontakt sehr stark. Egal ob das Nico Langmann mit Mitte 20 oder Martin Legner mit knapp 60 Jahren ist – Alter spielt da keine Rolle. Wir lieben den Sport und schätzen einander. Wir sprechen nicht nur über Tennis, auch über private Dinge wie Familie und Beruf. Ich versuche immer Turniere zu spielen, wo auch andere Österreicher sind. Dann ist man nicht so allein und hat auch neben dem Platz jemanden. Ich habe gemerkt, dass ich das brauche, um frisch im Kopf zu bleiben.

Wie würdest du dich als Spieler beschreiben? Was sind deine Stärken, wo hast du noch Potenzial?

Flax: Ich werde oft darauf angesprochen, dass ich eine gute Hand habe. Ich habe am Court gute Ideen, sehe viele Dinge und erkenne Situationen, also das „intuitive“ Tennis ist meine Stärke. Das merkt man im Doppel, wo es ja sehr gut läuft. Im Rollstuhl bin ich technisch nicht so stark, fahrerisch sind mir andere sicher voraus. Bei langen Ballwechseln zeigt sich das, da kann ich nicht mithalten. Ich muss den Bachwechsel kurz halten und auf den Punkt gehen.

Du hast festgelegt, dass du voll auf Tokyo hinarbeitest. Was macht Paralympics so speziell?

Flax: Es war seit ich klein bin immer mit Gänsehaut verbunden, wenn ich an Olympische Spiele oder Paralympics gedacht habe. Bis vor zehn Jahren war das immer etwas für andere oder die ganz Großen. Ich war begeisterter Fan und Zuseher, habe mich selbst rausgenommen. Dann habe ich erkannt, dass man nicht jünger wird. Wenn du dir den Traum erfüllen willst, musst du es angehen und durchziehen. Ich habe mir ein Herz genommen und die letzten drei bis vier Jahre alles investiert. Dann kannst du sagen, dass du alles dafür getan hast – finanziell, körperlich, mental. Entweder es klappt mit Tokyo oder nicht.

Drei Jahre später wären in Paris wieder Paralympics…

Flax: Das schließe ich aus. Mit meiner Behinderung ist Rollstuhl-Tennis ein hartes Pflaster, über mehrere Jahre auf diesem Niveau für mich zu hart. Ich gehe All-In in Sachen Tokyo, Paris ist kein Thema. Nach dem Sommer 2021 werde ich mich zurücknehmen und nicht mehr so professionell spielen. Beruf und Familienplanung stehen dann im Vordergrund.

Apropos Beruf: Vor kurzem hast du auch mit einem Universitätslehrgang auf der Uni Salzburg begonnen. Wie kam es dazu?

Flax: Ich bin Anfang des Jahres aus den USA zurückgekehrt und in ersten Lockdown geschlittert. Die Paralympics wurden auf 2021 verschoben, ich hatte plötzlich viel Zeit. Ich muss neben dem Training etwas für den Kopf und meine Zukunft machen, das war bei mir schon immer so. Nur Training, Training, Training reicht nicht. Dann kam der ÖPC-Newsletter in mein Postfach und es ging um den Lehrgang in Salzburg. Ich konnte mich sofort damit identifizieren. Die Vorstellung, dass sich sportbegeisterte Menschen zusammentun und sich ansehen, welche Werkzeuge es für guten Journalismus braucht, hat mich begeistert. Dann habe ich den Kontakt gesucht und mich angemeldet.

Und wie läuft es?

Flax: Es ist eine tolle Lehrveranstaltung mit sehr interessanten Menschen. Man kann viel lernen und ein gutes Netzwerk aufbauen. Ich arbeite ja seit Jahren im Medienbereich in Vorarlberg. Daher kann ich sicher viel mitnehmen.

Training und Studium zu verbinden ist nicht immer einfach, wie gelingt dir das?

Flax: Ich habe mich abgesichert und von der Uni und den Verantwortlichen die Bestätigung, dass gewisse Fehlzeiten in Kauf genommen werden, wenn ich bei Turnieren bin. Außerdem habe ich vor Ort die Möglichkeiten zu trainieren. Es sind lauter Profis am Werk, die äußerst affin in Sachen Sport sind. Das wird also sicher kein Problem sein.

Ein kurzer Ausblick auf 2021: Wie wäre der ideale Verlauf der kommenden Monate?

Flax: Zuerst hoffe ich, dass wir alle zusammen die Pandemie gut überstehen und im Frühling sagen können, es war schwer aber wir haben das Schlimmste hinter uns. Ab März wäre es großartig, eine faire Paralympics-Qualifikation bestreiten zu können und im Juni mit vier Rollstuhl-Tennisspielern für Tokyo qualifiziert zu sein. Im September will ich dann in Tokyo diese Bilder im Kopf real werden lassen den Spirit erleben, im Idealfall mit Zusehern. Im November will ich zurücklehnen können und etwas erlebt haben, von dem ich noch meinen Enkelkindern erzählen werde.

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