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Puch: „Das ist heute Spitzensport“
Der Para-Dressursport ist eine der am schnellsten wachsenden Disziplinen unter dem Dach der FEI. 1996 fand er erstmals Einzug ins Programm der Paralympischen Spiele, seither hat sich der Sport rasend weiterentwickelt. Wurde bis zu den Spielen in Sydney im Jahr 2000 noch ausschließlich auf zugelosten Fremdpferden des Gastgeberlandes geritten, bestreiten die Reiter:innen die Bewerbe seit Athen 2004 im Sattel ihrer eigenen Pferde. Das Niveau der Leistungen, aber auch die Qualität der vierbeinigen Sportler ist seither von Jahr zu Jahr gestiegen. Und nicht nur das: Auch die Zahl der teilnehmenden Nationen und Athlet:innen auf Spitzenniveau wächst zusehends. „Die Entwicklung in der Para-Dressur ist enorm, die Weltspitze wird immer dichter“, weiß Pepo Puch. Mit zweimal Gold (2016, 2012), dreimal Silber (2020, 2016) und einmal Bronze (2012) bei Paralympischen Spielen, sieben Europameistertiteln (2011, 2013, 2015, 2017 und 2019) sowie fünf Vize-Weltmeistertiteln(2014, 2008, 2022) ist der in der Schweiz lebende Steirer der erfolgreichste rot-weiß-rote Para-Reiter der Geschichte und das unumstrittene Aushängeschild der Disziplin in Österreich.
Viel unentdecktes Potenzial
Das heimische Para-Team ist qualitätsvoll, die Zahl der Championatsreiter:innen stagniert jedoch seit Jahren. Im aktuellen Kader sind nur vier Reiter:innen gelistet. Bleibt die Frage: Gibt es in Österreich einfach nicht mehr Para-Dressurreiter:innen? Doch, die gibt es, ist Pepo Puch überzeugt – man muss sie nur finden und motivieren! „Wenn man die britischen Verhältnisse hhernimmt und prozentual auf Österreich umlegt, müssten wir ungefähr 50 Reiterinnen und Reiter haben, die aktuell als Regelsportler Turniere bestreiten, die aber eigentlich im Para-Sport mitreiten könnten. Ich finde es wahnsinnig schade, dass es bei uns offenbar nach wie vor extreme Hemmungen gibt, dass sich die Leute als Para-Reiter registrieren und klassifizieren lassen“, sagt er im Interview mit der Pferderevue. Im Para-Sport werden die Athlet:innen in verschiedene Grade eingeteilt, damit die Leistungen untereinander vergleichbar sind. Auf diese Weise soll die Chance auf faire und spannende Wettkämpfe gewährleistet sein. Bei den Para-Dressurreiter:innen reicht die Skala von Grad I für die am stärksten beeinträchtigten bis zu Grad V für die am wenigsten beeinträchtigten Sportler:innen. Für eine Klassifizierung reichen mitunter bereits kleinere körperliche Einschränkungen: eines oder mehrere Gelenke mit Bewegungseinschränkung, eine Beeinträchtigung durch erhöhte Spannung der Muskulatur oder eine leichte motorische Dysfunktion. „Aber gerade Reiter mit sehr leichter Behinderung sind in Österreich lieber bei normalen Turnieren am Start“, bedauert Puch. „Bei uns bestehen immer noch große Hemmungen, sich als Behinderter zu deklarieren.“ In dieser Haltung sieht Puch nicht nur vergeudetes Potenzial für den Para-Dressurpsort, sondern auch für die persönliche Entwicklung, denn: je nach Grad dürfen sogenannte kompensatorische Hilfsmittel eingesetzt werden. die bestimmte Einschränkungen ausgleichen sollen. Das gilt nicht nur für den Para-Sport, sondern auch für Regelturniere. „Diese Hilfsmittelkönnen in jeder ÖTO-Prüfung oder FEI-Prüfung genutzt werden. Gibt es ein Problem bei den Fingern, dürfte zum Beispiel Kandaren- und Tensenzügel zusammengenäht und als ein Zügel geführt werden. Bei einer Schwähe im Bein darst du jede Prüfung mit zwei Gerten reiten, um deinen Schenkel zu unterstüzen“, erklärt Puch.
Große Unterstützung – hohe Ansprüche
Im Österreichischen Pferdesportverband genießt der Para-Dressursport einen sehr hohen Stellenwert. Das zeigt sich insbesondere an den Fördermaßnahmen. „Wir unterstützen hier durch Eigenmittel des Verbandes und durch Fördermittel der Bundes-Sport GmbH“, erklärt Cornelia Schupfer. Als Beispiele nennt die OEPS-Sportmanagerin Förderungen bei der Beschickung zu internationalen Wettkämpfen (CPEDI)aber auch bei der Trainings- und Wettkampfumfeldbetreuung in den Bereichen Sportmedizin, Physiotherapie, Betreuung der Sportpferde durch Veterinärmediziner und Physiotherapeuten etc. „Bei der Unterstützung brauchen wir nicht meckern“, findet Pepo Puch,„da sind wir in Österreich dank unseres Verbandes wirklich unheimlich gut aufgestellt und werden großartig unterstützt.“ Was der Para-Dressursport aber erfordert – und da unterscheidet er sich nicht von den anderen Pferdesportdisziplinen – ist viel Zeit und großes persönliches Engagement. Vor allem, wenn man international vorne mitreiten möchte. „Der Para-Dressursport ist in den vergangenen Jahren wahnsinnig professionell geworden. Mit dreimal die Woche ein bisserl reiten gehen, wie das vielleicht noch vor 20 Jahren möglich war, ist es heute auf internationaler Ebene nicht mehr getan. Das ist heute ein absoluter Spitzensport, aber genau das wollen wir ja. Wir sind echte Sportler mit einem hohen Leistungsanspruch – an uns und an den Sport“, so Puch.
Um dem Para-Dressursport in Österreich auf die Sprünge zu helfen, plant der OEPS die Talenteförderung und auch die Sichtungen zu intensivieren. „Interessierte sind jederzeit willkommen, sichim OEPS-Generalsekretariat zu melden“,
betont Cornelia Schupfer.