Fotocredit: ©Julia Mitterhuemer/Petra Kerschbaum
Quartett überzeugt bei Para-Dressur-WM
Österreichs Para-Dressur-Team hat die Weltmeisterschaft in Aachen auf Rang elf beendet. Die Bilanz der vier Tage liest sich dabei besser als die Platzierung: Alle vier rot-weiß-roten Paare steigerten sich vom ersten zum zweiten Durchgang, zwei davon um mehr als zwei Prozentpunkte. Zum Kürfinale fehlte am Ende weniger, als die Endabrechnung vermuten lässt – Julia Sciancalepore verpasste den letzten Startplatz um 0,37 Prozentpunkte.
Vier Paare, vier verschiedene Ausgangslagen: Pepo Puch ging erstmals bei einem Championat in der Grade I an den Start, nachdem der zweifache Paralympicssieger jahrelang in der Grade II zu den Weltbesten gezählt hatte. Julia Mitterhuemer erlebte ihre WM-Premiere ausgerechnet mit einer erst siebenjährigen Stute. Thomas Haller verbesserte sich um knapp zwei Prozentpunkte und musste trotzdem zusehen, wie sein Ergebnis aus der Teamwertung fiel. Und Sciancalepore kam dem Finale näher als alle anderen.
Gewertet wurde das Team ausschließlich über den Grand Prix B, den zweiten der beiden Durchgänge. Von den vier österreichischen Ergebnissen zählten die drei besten, das schwächste wurde gestrichen. Unter dem Strich standen 206,828 Prozent. Parallel dazu lief die Kürqualifikation, für die der Schnitt aus beiden Durchgängen gebildet wurde – die besten acht jeder Grade zogen ins Finale ein.
Sciancalepore fehlten 0,37 Prozentpunkte
Die Kärntnerin Julia Sciancalepore lieferte mit Heinrich IV das beste österreichische Einzelergebnis der Woche. In der Grade I kam sie im Grand Prix B auf 70,958 Prozent und Rang neun, nach 70,417 Prozent im ersten Durchgang. In der Kürqualifikation ergab das 70,688 Prozent und ebenfalls Platz neun. Auf den achten und letzten Finalplatz fehlten rund 0,37 Prozentpunkte – gut ein Drittel eines Prozentpunkts, verteilt auf eine komplette Aufgabe.
Puch steigert sich in der neuen Grade I deutlich
Pepo Puch bestritt die WM in einer Klasse, in der er noch nicht zu Hause ist. Der Steirer, der 2012 in London und 2016 in Rio Paralympics-Gold gewonnen hat, startet seit heuer in der Grade I. Mit Royale Choice steigerte er sich von 67,833 Prozent im Grand Prix A auf 70,167 Prozent und Rang elf – die größte Verbesserung im österreichischen Team. In der Kürqualifikation bedeuteten 69,000 Prozent Rang zwölf.
„Ich habe heute weniger Risiko genommen und den Schritt nicht ganz ausgeritten. Ein Mix aus den beiden Ritten wäre ideal gewesen“, sagte Puch gegenüber EQWO.net.
Haller verbessert sich – und wird zum Streichresultat
Der Oberösterreicher Thomas Haller und Haller’s Hermine legten von 63,700 auf 65,567 Prozent zu und wurden in der Grade III Dreizehnte. Mit einem Schnitt von 64,634 Prozent belegte Haller auch in der Kürqualifikation Platz 13.
Vor den Prüfungen halfen sich die beiden österreichischen Pferde gegenseitig aus: Haller’s Hermine begleitete Royale Choice als „Friendly Horse“ ins Viereck, anschließend übernahm Royale Choice dieselbe Aufgabe für Hallers Stute.
Mitterhuemer komplettiert das Teamergebnis
Den Schlusspunkt setzte Julia Mitterhuemer. Für die Steirerin und ihre erst siebenjährige AWÖ-Stute Showgirl 4 war Aachen das erste gemeinsame Championat. Am Donnerstag hatte das Paar im Grand Prix A Erfahrung gesammelt, zwei Tage später wirkte es im Aachener Viereck deutlich abgestimmter. Vor allem der erste Trab geriet nach Wunsch, kleinere Unsicherheiten in Schritt und Galopp verhinderten eine höhere Wertung. Am Ende standen 65,703 Prozent und Rang 16 der Grade IV.
„Ich bin sehr zufrieden. Sie war heute viel mehr bei mir und gerade der erste Trab hat sich unglaublich gut angefühlt. So ein Gefühl hatten wir in einer Prüfung noch nie“, sagte Mitterhuemer. „Natürlich hat sie zwischendurch auch gezeigt, dass sie erst sieben Jahre alt ist, aber sie ist vom Kopf her bei mir geblieben und hat das richtig cool gemacht.“
Die Anspannung vor dem zweiten Start war dabei größer als vor der Premiere, denn die Prüfung zählte zugleich für die Teamwertung. „Ich habe hier viel Sicherheit gewonnen und gelernt, ihr noch mehr zu vertrauen. Wenn ich ihr dieses Vertrauen gebe, ist sie für mich da“, sagte sie. „Die Woche hat mir persönlich viel Selbstvertrauen gegeben und ich glaube, meinem Pferd auch. Dass sie mit sieben Jahren in dieser Arena vor so vielen Menschen und Kameras so cool läuft, hätte ich mir vorher nicht gedacht.“
In der Kürqualifikation belegte Mitterhuemer mit 64,560 Prozent Rang 19. An der Spitze der Grade IV lag Kate Shoemaker (USA) mit Vianne und 80,460 Prozent vor Anna-Lena Niehues (GER) mit Vive l’Amour (76,405) und Pegase Mayenne (FRA) mit Humberto L (75,216).
0,136 Prozentpunkte entschieden, wer in der Wertung steht
Mitterhuemers Ritt hatte Folgen über ihre eigene Platzierung hinaus. Ihre 65,703 Prozent lagen um 0,136 Prozentpunkte über Hallers Ergebnis – damit rückte sie in die Teamwertung, und Hallers 65,567 Prozent fielen als Streichresultat heraus. Zusammen mit Sciancalepore und Puch ergab das 206,828 Prozent und Rang elf. Das Kürfinale der besten acht ging in allen Grades ohne österreichische Beteiligung über die Bühne.
Österreichs Resultate im Para Grand Prix B
• Grade I: 9. Julia Sciancalepore/Heinrich IV – 70,958 Prozent
• Grade I: 11. Pepo Puch/Royale Choice – 70,167 Prozent
• Grade III: 13. Thomas Haller/Haller’s Hermine – 65,567 Prozent
• Grade IV: 16. Julia Mitterhuemer/Showgirl 4 – 65,703 Prozent
• Team Austria: 11. – 206,828 Prozent







































